Windows Phone 7 – Take that, Apple!

by Gregor Biswanger 16. April 2010 15:05

 

Vom 15.03. – 17.03. fand die MIX10 Konferenz in Las Vegas statt. Die MIX ist eine Konferenz von Microsoft zum Schwerpunkt Web. Vorort konnte ich live in Las Vegas einen Einblick zu Windows Phone 7 erhalten. Doch was genau hat Windows Phone 7 auf einer Web Konferenz zu suchen? Was genau steckt hinter Windows Phone 7? Und wird Windows Phone 7 der iPhone Killer? Genau diese und viele weitere Fragen, wird dieser Artikel ausführlich durchleuchten.

Windows CE & Windows Mobile

Doch zu Beginn soll einmal die aktuelle Lage der mobilen Welt reflektiert werden. Microsoft hatte mit Windows CE die Industrie als Zielgruppe fokussiert, was auch einen sehr hohen Erfolg mit sich brachte. Man bedenke dabei, dass fast jedes Navigationsgerät auf Windows CE aufbaut. Von angefangen im Logistikbereich, wo der „gelbe Mann“ mit dem Paket vor der Tür steht und jeweils eine Unterschrift auf seinem mobilen Gerät abverlangt, bis zur Bahn, die täglich mit dem Casio Gerät kontrolliert, das ebenfalls auf Windows CE aufbaut. Hier ist Windows CE technologisch auch mit ganz anderen Zielen aufgebaut. Hier dürfen auch ohne weiteres mehrere Anwendungen zur selben Zeit laufen, damit die Geschäftsanforderungen erfüllt werden können. Meist wurden die Geräte auch in einem eingeschränkten „Kiosk-Modus“ verwendet, sodass „nur“ die hauptsächliche Geschäftsanwendung darauf zu laufen hat. Daher hatte bereits Microsoft mit Windows CE einen sehr guten Job gemacht.

Nun ging es darum, dass Microsoft als neue Zielgruppe auch den Ottonormalverbraucher dazugewinnen will, da der Markt ein immer größeres Interesse am Mobiltelefon bekommen hat, und weil der Markt vom Wohnzimmer bis zum Büro einen freien Platz bietet. Infolgedessen wurde aus Windows CE dann Windows Mobile. Um die Verwendung zu vereinfachen wurde versucht, viele Eigenschaften vom Windows Look & Feel zu übernehmen. Dennoch wurde die Oberfläche nur von fortgeschrittenen Computeranwendern (einem „Power-User“) als selbsterklärend verstanden. Viele Endanwender hatten größere Probleme mit der Navigation und dem Verständnis der Funktionalitäten. Als Beispiel sei hier das Copy & Paste genannt, das bei Windows CE bisher schon immer vorhanden war und beim Apple iPhone als revolutionäres Feature präsentiert wurde.

Windows Mobile basierte weiterhin auf dem Windows CE Kern und dieser war eben für ganz andere Anforderungen, also sprich dem Industriebereich bedacht gewesen.

Revolution iPhone

Als Apple am 23. Oktober 2001 es vom Hinterzimmer bis zum Wohnzimmer durch das iPod schaffte, wurde durch die neue Touch Bedienung und einem anspruchsvollem Design Interesse geweckt. Am 09. November 2007 kam dann die überraschende Revolution. Aus iPod wird iPhone. Die Touch-Bedienung erfolgte nun mittels Multi-Touch und einer hoch performanten und selbsterklärenden Erlebnis-Oberfläche. Diese neue Art von Bedienung überblendende die wirkliche Technologie die dahinter steckte. Selbstverständliche Funktionen, die von einem gängigen Mobiletelefon zu erwarten sind, waren nicht im iPhone inbegriffen. Als Beispiel wäre die Verwendung von eigenen Musiktiteln als Klingelton. Eine weitere Liste ist hier zu finden: http://iphone.macworld.com/2007/06/obvious_missing_features.php. Doch das spielte keine ernstzunehmende Rolle. Denn der WOW-Effekt übertrumpfte hierbei.

Doch wie konnte Apple so einzigartig gut sein? Anders als Microsoft hatte Apple immer eigenständige Hardware. Ihre Software wurde somit der Hardware nach maßgeschneidert entwickelt. Microsoft hat zudem noch das schwere Ziel, es jeder Hardware gerecht zu machen. Dass allerdings die hohe Hardware-Freiheit dem Endanwender nur zugutekommt, darf dabei nicht vergessen werden. Dennoch ging es gleichermaßen beim iPhone weiter, da die technische Hardware des iPhones durch eine zusätzliche GPU bestückt wurde, die auf OpenGL. Nur so konnte eine enorm hohe Performance der Oberfläche gewonnen werden. Der allgemeine Mobilfunkmarkt hatte allerdings einen solchen Chipsatz noch nicht. Einen weiteren Punkt zur Performance schaffte Apple durch die „einfache“ technische Architektur. Es kann jeweils auf dem iPhone nur eine Anwendung (App) ausgeführt werden und unterstützt somit offiziell kein Multi-Tasking, womit hier der ganzwertigen Speicher für die jeweilige App zur Verfügung steht. Das wären die wichtigsten Aspekte, warum Apple die top Geschwindigkeit erzielen konnte.

Aus Entwicklersicht

Ohne Entwickler gebe es auch keine Anwendungen (Apps) um die mobilen Geräte attraktiv nutzen zu können. Daher sollten kurz beide Welten durchleuchtet werden.

Entwickeln fürs iPhone

Um Anwendungen (Apps) auf dem iPhone nutzen zu können, wird dazu der AppStore von Apple benötigt. Entwickler reichen Ihre fertige Software bei Apple ein. Apple überprüft die technischen Details und stellt gegeben falls die Anwendung im AppStore bereit. Andere Anwender können erst dann diese Anwendung kostenfrei oder gegen eine Gebühr beziehen. Die Entwicklung für das iPhone wird dazu auch ein Apple-Computer, wie zum Beispiel ein MacBook benötigt. Apple stellt für die Entwicklung eine Entwicklungsumgebung bereit.

Doch besonders negativ ist das der Entwickler ein NDA unterzeichnen muss, um an das gewünschte SDK zu kommen. Apple ist in dieser Hinsicht etwas geschlossener.

Des Weiteren erkundigte ich mich bei erfahrenen iPhone Entwicklern und bekam meist enttäuschte Antworten aus der Community. Es soll leider sehr wenig Support und Informationen zur Entwicklung geben und Apple reagiere oft mit einer Art Arroganz bei einfachen Fragestellungen, was mich sehr verwundern lässt.

Entwickeln für Windows Mobile

Das Entwickeln unter Windows Mobile kann hier mit klassischen C++ oder mit .NET C# / VB.NET realisiert werden. Dazu bietet Windows Mobile das Compact Framework an, das gleichermaßen ein eingeschränktes .NET-Framework ist. Der Vorteil liegt hier klar in der Hand: Als .NET-Entwickler kann dieselbe Sprache und Entwicklungsumgebung genutzt werden, die man vom alltäglichen Arbeiten gewohnt ist. Als Entwicklungsumgebung fungiert hier Visual Studio. Ein negativer Kritikpunkt war bisher auch die Einschränkung ab Visual Studio 200x Professional, das somit eine kostenpflichtige Umgebung abverlangte. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Leider bietet das Compact Framework aus eigener Erfahrung heraus nur für „einfache“ Szenarien eine sehr gute Lösung. Wenn allerdings eine systemnahe Anforderung verwendet werden soll, muss mittels P/Invoke darauf zugegriffen werden, was für eine Art direkten COM-Aufruf sorgt. Der Nachteil daran ist die Verständlichkeit des Source-Codes und deren Aufruf außerhalb des Managed-Codes. Das kommt daher, dass das Compact Framework so klein wie möglich gehalten werden muss, um auch für so viele Mobilfunkgeräte kompatibel zu sein.

Windows Phone 7 - Zwei Welten treffen zusammen

Wenn man sich nun kurz beide Welten vor Augen hält: Zum einen wäre dies das iPhone mit der erstaunlichen Fassade und zum anderen die Business Intelligence von Microsoft. Man lässt diese beiden Welten in ein Produkt zusammenschmelzen und man erhält eine Art von Windows Phone 7.

 

Microsoft fokussiert nun mit dem Windows Phone 7 vorerst den Ottonormalverbraucher. Dennoch werden auch geschäftsrelevante Szenarien folgen. Wie zum Beispiel eine Exchange-Anbindung, Office Mobile und vieles weitere. Bestimmte ISVs bekommen zudem die Möglichkeit Business-Apps entwickeln. Der eigentliche „CE Kern“ wurde hierbei allerdings nur erneuert, von CE 5.0 auf CE 6.0.

Power durch DirectX und XNA als Schnittstelle

Um die gleiche Performance des iPhones zu erzielen, wird eine sehr hohe Hardwarevorrausetzungen für das Windows Phone an die Hardwarehersteller gegeben. Zudem bekommt das Phone auch eine GPU mitgeliefert und baut auf eine eigene DirectX-Schnittstelle auf, die für Entwickler mittels XNA angesteuert werden kann.

Mehr Freude am Entwickeln mit Silverlight

Das Windows Phone basiert weiterhin auf einem neu geschrieben CE Kern. Die Anwendungen selbst laufen als Silverlight-Anwendungen. Somit liefert Windows Phone eine eigenständige Silverlight-Version und ist nicht gleichgestellt mit den Web-Versionen von Silverlight. Allerdings sind viele Kernfunktionen von Silverlight bereits gleichermaßen übernommen worden. Es bleibt daher die gleiche Entwicklungsumgebung (ab Visual Studio 2010), dann können die Oberflächen der Mobile-Anwendungen nun auch getrennt von erfahrenen Designer entworfen werden, zum Beispiel mit Expression Blend 4 oder anderen Adobe Produkten wie Illustrator oder PhotoShop. Der Entwickler kann zudem parallel an der Logik im Source-Code arbeiten. Diesen Entwickler-und-Designer-Workflow, gibt dem Windows Phone enorme Pluspunkte in Sachen Entwicklung!

Dennoch ist die Entwicklung für Entwickler, die das Compact Framework gewohnt waren, eine ganz neue Welt! Denn Windows Phone 7 hat neue Aspekte, die eine andere Herangehensweise und Denkweise abverlangt. Zum Beispiel, kann jeweils nur eine Anwendung laufen. Eine Art Multi-Tasking gibt es dann nicht direkt, sondern es wird einen Art Backgroundworker geben, der dann die Informationen aufnehmen kann. Auch das direkte Ansprechen auf systemnaher Ebene wird nicht mehr ohne weiteres möglich sein. Es gibt jeweils nur die Möglichkeit, das System anzufragen, das dann beliebig entscheidet, wann etwas ausgeführt wird.

Für mich persönlich sind diese unfreien Punkte erst unangenehm aufgefallen. Allerdings sehe ich mittlerweile für die spätere Qualität des Phones ein Verständnis dafür, denn ein direkter Einfluss auf das Phone kann zu weiteren unerwarteten Problemen führen.

Das Nächste was mich vorerst auch abgeschreckt hatte, war auch das gleiche Deployment wie unter dem iPhone. Es wird nicht mehr ohne weiteres möglich sein, die eigene App für andere Phones zugänglich zu machen. Für die Bereitstellung wird hier ein App MarketPlace angeboten, der leider eine jährliche Gebühr für Entwickler abverlangt. Der Entwickler selbst erhält allerdings eine Test-Lizenz fürs eigene Phone, die dann ein direktes Ausführen der App auf dem eigenen Gerät ermöglicht. Das sah ich vorerst als sehr negativ an, allerdings wird durch eine kontrollierte Qualitätskontrolle von Microsoft eine hohe Qualität der Endanwender gewährleistet. Zudem ermöglicht es auch dem Entwickler gleichermaßen durch ein und denselben Kanal Geld mit der eigenen App zu verdienen.

Navigieren nach (E)Motion

Das Windows Phone 7 zeigt sich natürlich nicht nur aus technologischer und Entwicklersicht attraktiv, sondern auch an deren neuen Navigationsmöglichkeit mittels Motion-Technologie. Dabei wird ein weiteres bisheriges Problem ausgehebelt. Durch die kleinen und unterschiedlichen Anzeigebildschirme der Smartphones, war es dem Entwickler in der Vergangenheit sehr erschwert, viele Informationen übersichtlich Anzeigen zu lassen. Windows Phone bietet daher gleich eine Bildschirm-übergreifende Benutzeroberfläche, die durch abgeschnittenen Text ein weiteres Blättern der Oberfläche darstellt.

Daher muss auch diesbezüglich gesagt werden, dass mich persönlich die neue Oberfläche vorerst nicht angesprochen hat. Doch bei genauer Betrachtung der Demos und beim Spielen mit dem Windows Phone 7 Emulator zeigt sich, dass die Oberfläche eher für intuitive Szenarien perfekt gemacht wurde. Später muss das Phone sehr schnell und einfach die gewünschte Anforderung erfüllen, was sich auch durch die Information hinter der Information widerspiegelt. Dabei ist gemeint, dass bei jeder Information auf dem Phone, weitere Funktionen und Informationen dahinter geboten werden.

In eigener „Vision“ – Windows Phone 7 und Project Natal

Dieser Artikel zeigte bisher vertieft die Sichtweise für Entwickler. Nun soll aber auf einem Punkt eingegangen werden, der für viele Endbenutzer eine neue Art der Erfahrung mit sich bringen wird. Das wäre nämlich die sofortige Integration zu anderen Microsoft Produkten und Technologien. Das Windows Phone kann mit XNA zudem denselben Code wie für XBOX erzeugte XNA Spiele abspielen. Nicht nur das, auch die übergreifende Kommunikation zur XBOX ist somit auch möglich. Folglich können Spiele gemeinsam mit Freunden von einem anderen Ort auf dem Phone gemeinsam mit der XBOX gespielt werden.

 

Dieses Jahr kündigte Microsoft eine weiteres interessantes Projekt an: Project Natal! Project Natal erfasst Personen 3-dimensional und arbeitet mit Infrarottechniken. Diese Technologie ist extra für die XBOX konzipiert worden. Ein späteres Spielen und Bedienen der Konsole ist somit „ohne“ Kontroller möglich. Ein Beispiel verdeutlichen diese Videos:

http://www.youtube.com/user/xboxprojectnatal?blend=2&ob=4
http://www.youtube.com/watch?v=D5SoRvRF440

Nun wäre aus technologischer Sichtweise, eine solche Umsetzung auch für das Windows Phone 7 ohne weiteres möglich. Dabei sollen eher keine Spiele auf dem Phone bedient werden, sondern nur die übliche Navigation stattfinden, bis dahin, dass mehrere Personen an einem Phone gemeinsam arbeiten können. Also ich persönlich kann mir sehr gut vorstellen, dass in ca. 2 Jahren die ersten Geräte mit solcher Funktion auf den Markt kommen werden.

Fazit

Zugegeben, der Titel mit „Take that, Apple!“ ist schon sehr provozierend. Allerdings zeigt sich das neue Phone von der Technologie und Entwicklung bereits um einiges Aattraktiver als das iPhone. Hierbei zählt es weitaus mehr als nur eine feine Fassade. Ob nun das Windows Phone 7 der iPhone Killer wird, liegt natürlich an der Akzeptanz des Marktes und an den Entwicklern, die nun durch bessere Entwicklungsmöglichkeiten auch bessere Anwendungen zur Verfügung stellen können. Es wird also spannend, „was“ genau alles passieren wird, sobald das Phone den Markt bedeckt. Ich persönlich sehe ein sehr hohes und starkes Potenzial für das Phone. In den nächsten Wochen sollen weitere Blog-Einträge zum Einstieg in die Entwicklung von Windows Phone 7 Anwendungen folgen.

 



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Über den Autor

Gregor Biswanger

Microsoft MVP für Client App Dev
XING

Gregor Biswanger (Microsoft MVP für Client App Dev) ist freier Consultant, Trainer, Autor und Speaker.


Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der .NET-Architektur, agilen Prozessen und XAML. Er veröffentlichte vor kurzem seine DVD´s mit Video-Trainings zum Thema „Meine erste Windows 8 App“, „Windows Store Apps mit XAML und C#“ und „WPF 4.5 und Silverlight 5“ bei Addison-Wesley von video2brain.


Biswanger ist auch im Auftrag von Intel GmbH als Technologieberater für die Intel Developer Zone aktiv und ist Leader bei der Ingolstädter .NET Developers Group (INdotNET). 

 

Video über mich:
http://www.youtube.com/watch?v=mx_6SiiLxjk


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