Making of Community-Projects – Interview mit Norbert Eder

by Gregor Biswanger 5. November 2009 04:11

Inspiriert von Golo Roden´s “.NET Professionals im Profil” werden mit Making of Community-Projects die Macher von bekannten Community-Sites interviewt und mal von der persönlichen Seite durchleuchtet. Das Making of Community-Projects unterscheidet sich von .NET Professionals grundlegend, das es um die Projekte von Personen aus der Community geht und nicht um Professionale Softwareentwickler. Dabei wird gerade auf den täglichen Kampf der Community-People eingegangen und woher die Motivation für Neues gefunden wird.

 

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Norbert Eder

Beim spontanen Überlegen wer die meisten Community-Projekte in der .NET-Szene hat, fällt mir sofort Norbert Eder ein. Norbert Eder ist 32 Jahre alt und kommt aus Graz (Österreich). Ich konnte Norbert Eder für ein Interview gewinnen und bin schon gespannt was so alles  hinter den Projektfassaden steckt.

 

Gregor Biswanger: Hallo Norbert, erst mal vielen Dank das du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Ich muss gestehen, dass du mir das erste Mal auf Tutorials.de aufgefallen bist. Viele Fragen, die mich beschäftigt haben, führte Google direkt zu deinen Posts. Wie kam es damals zu deinem ersten Projekt? Was hat dich motiviert?

Norbert Eder: Ja, tutorials.de. Eine wunderbare Community, für die ich heute leider viel zu wenig Zeit habe. Hauptgrund hierfür sind wohl die persönlichen Präferenzen, die sich in den letzten Jahren doch stark verändert haben. Natürlich wollte ich auch weiterhin der Community behilflich sein, immerhin hatte auch ich viel Unterstützung erhalten. Die eigenen Communities (wobei eigentlich nur eines meiner aktuellen Projekte diesen „Titel“ verdient) haben sich nebenbei entwickelt. Das hat 2003 mit einem eigenen Blog angefangen und hat sich dann weiter entwickelt. Irgendwann gab es dann schon mal ein Forum, das sich hauptsächlich mit der Entwicklung für mobile Endgeräte beschäftigt, war aber wohl zu früh dafür. Einige Jahre später hatte ich dann Kai Gloth kennengelernt und daraus sind dann Projekte wie die .NET Casts oder das .NET BlogBook entstanden. Voriges Jahr dann eben .NET GUI, eine Plattform, auf der sich .NET Entwickler über User-Interface-Entwicklung auf Basis .NET austauschen können.

Die Motivation, die genannten Seiten (als auch noch weitere) zu betreiben ist damit zu begründen, dass ich insgesamt die .NET Community unterstützen und stärken möchte, verbunden mit einem gewissen Grad an Eigennutzen. So lernt man doch sehr viele unterschiedliche Menschen kennen, knüpft Kontakte. Das ist insgesamt schon sehr hilfreich.

 

Gregor Biswanger: Welches deiner ganzen Projekte ist dein persönlicher Favorit? Und warum?

Norbert Eder: Ich habe keinen persönlichen Favoriten. In den letzten Jahren fokussiere ich mich auf die Windows Presentation Foundation und auf Silverlight, da ich diesen Technologien eine große Zukunft voraus sage. Daher ist es naheliegend, auch in diese Richtung tätig zu sein bzw. diesen Bereich zu fördern (siehe WPF-Blogger, oder aber auch .NET GUI).

 

Gregor Biswanger: Warum ausgerechnet WPF und Silverlight? Hierbei müssten Unternehmen doch so vieles erneut lernen?

 

Norbert Eder: WPF als auch Silverlight erfordern natürlich (wie alle neuen Technologien) ein Maß an Lernaufwand, das ist schon richtig. Auf der anderen Seite steht natürlich die Möglichkeit, eine vollkommen neue „Experience“ für eigene Anwendungen/Produkte zu schaffen, weg von den gewohnten grauen Oberflächen, hin zu einer höheren Benutzerfreundlichkeit. Angereichert durch die neuen Möglichkeiten, lassen sich ohne viel Aufwand Animationen und Effekte einbinden, die bis dato nur unter (sehr) hohem Implementierungsaufwand möglich gewesen wären.

Ich konnte in den letzten Monaten einige WPF-Projekte betreuen (sowohl kleinere Anwendungen, als auch im Bereich von ~900 Clients) und überall hat sich gezeigt, dass die Einstiegshürden groß sind. Es muss jede Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden, um ein Unternehmen tatsächlich auf diesen Zug zu bringen. Schlussendlich gab es aber in allen Fällen eine große Überraschung – im positiven Sinne.

 

Gregor Biswanger: Wie weit würdest du die Reife von WPF und Silverlight jetzt sehen?

 

Norbert Eder: Schwer zu sagen wie es in 10 Jahren aussehen wird. Fakt ist, dass WPF und Silverlight quasi am Anfang stehen und es noch jede Menge zu tun gibt. Mit zunehmender Akzeptanz werden weitere Wünsche und somit auch Möglichkeiten dargelegt. Es wird also wohl noch eine ganze Weile dauern, bis es zu einer gänzlich neuen Technologie kommt.

 

Gregor Biswanger: Nun ein kleiner Blick in dein Privatleben.. Mich würde dein Familienstand interessieren?

 

Norbert Eder: Glücklich verheiratet.

 

Gregor Biswanger: Wie kommt deine Frau mit deinem Erfolg in der Community klar? Ist Sie stolz auf dich oder habt ihr Stress?

 

Norbert Eder: „Erfolg in der Community“ ist ein Terminus, der mir nicht 100%ig zusagt. Wie ist dieser definiert und wer bestimmt darüber? Sind PageViews aussagekräftig was die Qualität betrifft? Ich selbst kann und will nicht behaupten, in der Community Erfolg zu haben, das müssen andere tun. Mir macht es Spaß (manchmal auch weniger) und wie ich schon anklingen ließ, so ganz uneigennützig ist es dann ja auch nicht.

Wir sind natürlich stolz auf das, was der andere leistet und unterstützen uns gegenseitig. Würde es keine Unterstützung geben, wäre Vieles nicht möglich.

 

Gregor Biswanger: Was würdest du jemand empfehlen der eine Idee für ein Community-Projekt hat?

 

Norbert Eder: Tun, nicht reden!

 

Gregor Biswanger: Was war für dich aus der Community heraus das angenehmste Erlebnis? Und warum war es so besonders für dich?

 

Norbert Eder: Es hat in den letzten Jahren viele angenehme Erlebnisse gegeben, da möchte ich mich auf keines besonders festlegen. Für mich ist es immer ein Erlebnis, neue, interessante Menschen kennen zu lernen, interessante Diskussionen zu führen und daraus schlussendlich auch selbst zu lernen. Einige Male entstanden auch wirklich gute Freundschaften – das ist mit nichts aufzuwiegen.

 

Gregor Biswanger: Und was war eher das Unerträglichste aus der Community?

 

Norbert Eder: Etwas Unerträgliches ist noch nicht passiert, Unverständliches dafür schon.

 

Gregor Biswanger: Neben deinem Hauptberuf als Solution Architect in der Firma UPPER Network GmbH arbeitest du nebenbei an der Fachhochschule Campus02 Graz als Fachhochschullektor für Java, C# und WPF. Wissen die Studenten von deinen starken Community-Aktivitäten?

 

Norbert Eder: Ich hänge es nicht groß an die Glocke, da die Lehre keine Werbeveranstaltung für meine Person ist. Diejenigen, die sich stärker mit den Themen C# und WPF beschäftigen, besuchen dann schon das eine oder andere Mal mein Blog oder eine meiner anderen Webseiten, wodurch natürlich auch entsprechende Gespräche entstehen.

 

Gregor Biswanger: Wenn du von Microsoft einen Wunsch frei hättest, speziell für die Community, was würdest du dann beanspruchen?

 

Norbert Eder: Wünsche an Microsoft hätte ich viele, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Speziell für die Community denke ich, dass Microsoft Deutschland gute Arbeit leistet. Da ich jedoch aus Österreich komme, würde ich mir auch in unserem Land mehr Aktivität diesbezüglich wünschen. Es bedarf mehr Community-Veranstaltungen und eine verbesserte Kommunikation. Natürlich liegt dieser Punkt zu einem Großteil auch an der Community selbst, entsprechende Unterstützung wäre aber sehr willkommen.

 

Gregor Biswanger: Deine Community-Projekte handeln alle im Microsoft Bereich. Was genau zieht dich so an Microsoft an?

 

Norbert Eder: Anziehen ist der falsche Ausdruck. Ich war jahrelang auf der Linux/Java-Schiene tätig und sehe im Vergleich, dass vieles auf den Microsoft-Plattformen einfacher erledigt werden kann und man sich als Entwickler um viele Bereiche nicht kümmern muss. Entwickler sind ja von Grund auf faule Menschen und da spielt das schon eine Rolle. Ich möchte mich auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren und da möchte ich natürlich, dass mich die angrenzende Umgebung entsprechend unterstützt. Das sehe ich auf der Microsoft-Plattform als besser gelöst als auf anderen. Meine persönliche Entwicklung hätte also durchaus auch in eine andere Richtung gehen können. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es dann logisch, sich intensiv mit seinen gewählten Bereichen zu beschäftigen, darf jedoch den Blick über den Tellerrand nicht vergessen. Das ist unter anderem auch einer der Gründe, warum ich Java unterrichte und mich beispielsweise mit Ruby beschäftige.

 

Gregor Biswanger: Was ist derzeit dein aktuelles Projekt? Was erhoffst du dir dabei?

 

Norbert Eder: Aktuell bereite ich mit Mario Meir-Huber gerade den .NET Open Space Vienna 2009 vor. Damit bringen wir diese Veranstaltung auch nach Österreich und hoffen, dass es auch bei uns viele Teilnehmer und angeregte Diskussionen geben wird. Sonst kümmere ich mich hauptsächlich um .NET GUI, habe aber auch noch ein paar neue Ideen für WPF Blogger in meiner Schublade. Aktuell hat allerdings mein WPF-Buch Vorrang, von dem ich mir erhoffe, dass es schlussendlich meine Erwartungen und die der Leser erfüllen wird.

Danach wird sich zeigen, wie es weitergeht. Grundsätzlich stehen schon noch ein paar Projektideen in meinem schlauen Büchlein, die auf Umsetzung warten.

 

Gregor Biswanger: Vielen Dank, Norbert, für dein Engagement! Auch ein großes Danke für die tollen Projekte von dir, die mir und allen anderen eine große Hilfe leisten.

 

Norbert Eder: Keine Ursache. Ich bedanke mich für das Interview.



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Über den Autor

Gregor Biswanger

Microsoft MVP für Client App Dev
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Gregor Biswanger (Microsoft MVP für Client App Dev) ist freier Consultant, Trainer, Autor und Speaker.


Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der .NET-Architektur, agilen Prozessen und XAML. Er veröffentlichte vor kurzem seine DVD´s mit Video-Trainings zum Thema „Meine erste Windows 8 App“, „Windows Store Apps mit XAML und C#“ und „WPF 4.5 und Silverlight 5“ bei Addison-Wesley von video2brain.


Biswanger ist auch im Auftrag von Intel GmbH als Technologieberater für die Intel Developer Zone aktiv und ist Leader bei der Ingolstädter .NET Developers Group (INdotNET). 

 

Video über mich:
http://www.youtube.com/watch?v=mx_6SiiLxjk


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